Die Haltung des Hofdegens

Wie hält man den Hofdegen eigentlich richtig? Diese Frage stellt sich jedem, der zum ersten Mal eine historische Waffe in der Hand hat. Die Quellen sagen über die korrekte Handhaltung nicht sehr viel aus. Olivier schreibt unter der Überschrift How to hold the Sword:

 „In order to hold a sword well, the hilt must be flat in your hand, your thumb stretched and at an inch distance from the shell, the pummet under your wrist. Never keep the sword fast in your hand, but when you parry or thrust. For, if you hold it always with strength, the muscle of your thumb will soon grow stiff.“

Auf deutsch:

„Um den Degen richtig zu halten muss das Gehilz flach in der Hand liegen, der Daumen ist ausgestreckt und in einem Zoll (2,5 cm) Abstand vom Stichblatt, der Knauf unter dem Handgelenk. Halte den Degen niemals fest in deiner Hand außer bei der Parade und beim Stoß. Denn wenn du ihn immer mit Kraft festhälst, wird dein Daumenmuskel schnell steif werden.“

Der meiner Meinung nach wichtigste Punkt dabei ist, dass zwischen der Hand und dem Stichblatt gut ein- bis eineinhalb Finger breit Abstand bleibt. Wenn man die Stiche von Angelo vergrößert, kann man das sehr schön erkennen:

Handhaltung bei der Flanconnade

Handhaltung bei der Flanconnade (nach Angelo)

Es wird also nicht, wie beim Florett mit französischem Griff üblich, das letzte Fingerglied des Zeigefingers an die Glocke angelegt.

Handhaltung beim Stoß in Quart

Handhaltung beim Stoß mit der Hand in Quart (nach Angelo)

Die Finger werden auch nicht durch die Fingerbügel gesteckt, wie beim italienischen Griff üblich. Bei vielen Hofdegen aus dem 18. Jahrhundert ist das gar nicht mehr möglich, da die Öffnungen der Fingerbügel sehr klein sind. Aber selbst wenn man dünne Finger hat, die durch die Bügel passen, sollte man davon absehen. Die Verletzungsgefahr bei Entwaffnungsaktionen ist nämlich sehr groß. Daher beim Üben von Entwaffnungsaktionen bitte immer vorher vergewissern, wie der Partner – nicht Gegner! – die Waffe hält!

Ob man den Zeigefinger unterhalb der Parierstange am Griff behält oder an der Parierstange anlegt, muss jeder für sich selbst herausfinden. Wichtig ist, dass die Parierstange, wenn man den Arm ausstreckt und die Hand in Quart dreht, waagrecht steht.

Diese Informationen stammen aus

  • Olivier: Fencing Familiarized, or A New Treatise on the Art of Sword-Play, 1771
  • Domenico Angelo: L’École des Armes, 1763
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