Haltung des Degens nach Roux (1798)

Um die Serie über das Halten des Degens abzuschließen, hier noch ein Abschnitt aus Gründliche und vollständige Anweisung in der deutschen Fecht-Kunst auf Stoß und Hieb von Johann Adam Roux aus Jena. Das Werk ist 1798 erschienen.

„Am besten und bequemsten faßt man den Degen so, daß der Daumen mit dem obern Gliede auf das Kreuz nach der Richtung der Klinge, der Zeigefinger aber auf der entgegengesezten Seite längst den Parirstangen zu liegen kömmt, doch ohne damit am Stichblatt selbst hart anzulehnen: die übrigen drei Finger müssen den Griff fest in sich schließen, und zwar, daß der Knopf seitwärts außer der Faust sieht, damit er bei dem Einbiegen der Faust sich nicht in das Gelenke stemmen kann. Den Zeigefinger hüte man sich zwischen dem Stichblatt und den Parirstangen durchzustecken, weil man ihn währenden Fechtens bei Legaten und Battuten des Feindes leicht brechen könnte. Uebrigens gewöhne man sich, dieser Art, den Degen zu halten, unter dem Fechten unverändert getreu zu bleiben, immer einen gleichfesten Schluß der Finger damit zu verbinden, und ihn nie spielend in der Hand herumzuwenden.“

Auch bei Roux findet sich der Hinweis, auf gar keinen Fall die Finger durch die Parierstangen zu stecken. Der Zeigefinger wird auch bei ihm an der Parierstange angelegt und hat praktisch keinen Kontakt mit dem Stichblatt.

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Haltung des Hofdegens nach Danet (1788)

Ich habe mir heute zum ersten Mal L’Art des Armes von Guillaume Danet angesehen. Das Buch ist 1766  als Antwort auf Angelos L’Ecole des Armes  erschienen  und nach einiger Kritik durch andere französische Meister 1788 in überarbeiteter Form veröffentlich worden.

Danet schreibt unter Manière de tenir l’Epée:

Pour tenir avantageusement l’épée, il faut que la poignée se trouve entre le thénar & l’hypothénar, & le pommeau à la naissance de la main; que le pouce soit allongé jusqu’à la distance d’environ douze lignes de la coquille sur le plat de la poignée; qu’en même temps le milieu de l’index se place dessous la poignée près de la coquille; que la poignée soit étroitement embrassée par le doigt majeur, & encore serrée contre le thénar vers le pommeau, par l’annulaire & l’auriculaire; mais il ne faut serrer la poignée que dans l’instant seulement que vous tirez, ou que vous parez; parceque les muscles du pouce, de l’index & du doigt majeur s’engourdissent promptement, au lieu qu’il n’en est pas de même de ceux qui font agir le petit doigt & l’annulaire.

Il est des occasions où il convient de lâcher ces deux doigt pour faciliter l’exécution de certains coups. J’aurai attention de vous en prévenir quand il le faudra.

Frei übersetzt:

Um den Degen vorteilhaft zu halten, muss sich der Griff zwischen Hand- und Daumenballen und der Knauf am Handansatz befinden; der Daumen muss ausgestreckt bis circa zwölf Lignes von der Coquille auf dem Flachstück des Griffs sein; gleichzeitig muss die Mitte des Zeigefingers unter dem Griff nahe der Coquille platziert werden; der Griff muss vom Mittelfinger eng umfasst und von Ring- und kleinem Finger gegen den Ballen gepresst werden; aber man darf den Griff nur im Augenblick des Stoßes oder der Parade anpressen; denn die Muskeln von Daumen, Zeige- und Mittelfinger ermüden schnell, was nicht auf die Muskeln zutrifft, die auf den kleinen und den Ringfinger wirken. 

Es gibt Gelegenheiten, wo es sich empfiehlt, die beiden Finger zu entspannen, um die Ausführung bestimmter Stöße zu erleichtern. Ich werde Euch darauf aufmerksam machen, sollte das notwendig sein.

Anmerkungen:

  • Eine ligne (Linie) entspricht 0,226 cm. Zwölf lignes sind ein pouce (Daumen), also 2,712 cm.
  • Die Coquille ist das Stichblatt des Hofdegens, das meist in Form einer Muschel gestaltet war. Die Glocke des Degens heißt in Frankreich heute immer noch so.
  • Vielen Dank an Patrice S. aus Friedrichshafen für seine Hilfe bei der Übersetzung!