Über die Arbeit mit Quellen

Christian Bott, Inhaber der Fechtschule Krîfon, hat ein paar Gedanken zur Arbeit mit Historischen Quellen zusammengefasst. Er konzentriert sich dabei auf die Fechtbücher des späten Mittelalters zum Schwertfechten in der Liechtenauer Tradition. Die Grundprinzipien gelten aber auch für unsere Quellen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Als Historiker für mittelalterliche Geschichte weiß Christian, wovon er spricht:

Ein Paar Gedanken zur Quellenarbeit

Haben sich früher Historische Fechter weitestgehend auf Ihre Phantasie stützen müssen, so steht uns heute eine Vielzahl an historischen Quellen zur Verfügung, in denen die damalige Fechtkunst beschrieben wird. Doch bevor man die Quellen in die Hand nimmt muss man wissen, wie man mit diesen Inhalten umgeht!

Wir sind es heute gewohnt, vom Schriftlichen / Virtuellen auf das Reale zu schließen. Warum gelingt uns das? Weil wir dank eines umfassenden Allgemeinwissens und ‘zeitgemäßen Denkens’ genügend Hintergrundinformationen haben, um das Gelesene in den richtigen Kontext zu setzen. Doch bereits bei uns fremden Disziplinen tun wir uns schwer, die “Quellen” in ihrer Aussage voll und ganz zu erfassen…

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Hier noch ein Zitat aus einem Kommentar zu einem meiner Posts:

„Es gibt hunderte von Fechtbüchern, aber in keinem steht, wie man gewinnt…“

Wie wahr! Und doch sind die Quellen die einzige Möglichkeit, die wir haben, den Fechtmeistern aus der Vergangenheit zu lauschen. Wenn ich den Hofdegen aus der Hand lege, greife ich immer wieder gerne auf ihre Schriften zurück, um meine Erfahrungen an ihren Aussagen zu reflektieren.

Das Schlusswort überlasse ich noch einmal Christian:

„Also, meine Freunde – Begeisterte der Fechtkunst – habt Mut, zu interpretieren und zu hinterfragen!“

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Lehrgang auf Schloss Zdikov

Schloss Zdikov

Die historischen Duellfechter aus Friedrichshafen waren vom 19. bis 21. April 2013 zu Gast auf Schloss Zdikov in Tschechien. An zwei Tagen konnten sie ihre Kenntnisse in der alten Kunst des Duellfechtens vertiefen und mit gleichgesinnten Fechtern die Klingen kreuzen.

Für die sechs Häfler Fechter Katja Finkenbeiner, Julia Wittmann, Sandra Leschik, Tim Umbach, David Nieto Lara, Christian Depre um Trainer Michael Pieraccini war es die erste Bewährungsprobe. Seit einem Jahr trainieren sie mit dem Hofdegen, der Duellwaffe des 18. Jahrhunderts. Nun stand eine erste Qualitätskontrolle an. Eingeladen hatte Lehrgangsleiter Siegfried Raczka, Mitglied der Akademie der Fechtkunst Deutschlands.

An zwei Tagen ließ Raczka die Lehrgangsteilnehmer an seinem umfassenden Wissen über das Duellfechten teilhaben: Wie ändert sich die Fechttechnik, wenn mit scharfen Waffen gefochten wird? Wie entwaffne ich einen Gegner? Wie läuft ein Duell ab? Welche Aufgabe haben die Sekundanten? Kaum eine Frage, die Raczka nicht beantworten konnte. Am Sonntag konnten sich die Kämpfer aus Friedrichshafen mit den Fechtern aus Salzburg, Passau und München messen. Im liebevoll ausgestatteten Fechtsaal von Schloss Zdikov trugen sie ihre Duelle aus: Retirieren, avancieren, den Gegner belauern und den richtigen Moment für den finalen Stoß abpassen. Ein einzelner Treffer entschied über Sieg oder Niederlage.

Katja, Sandra und David.

„Dass es neben den bekannten modernen Disziplinen Florett, Degen und Säbel auch ernsthaftes historisches Fechten abseits vom Mittelaltermarktgedengel gibt, ist selbst in Fechterkreisen weitgehend unbekannt.“, erklärt Michael Pieraccini, Kursleiter für „historisches Fechten“ in Friedrichshafen, wo schon seit 2009 mit dem barocken Hofdegen nach französischer Schule gefochten wird.

Da es niemanden mehr gibt, der den Umgang mit dieser Waffe aus erster Hand gelernt hat, muss diese Art des Fechtens aus den schriftlichen Überlieferungen rekonstruiert werden. Kostbare Folianten muss aber heute niemand mehr wälzen. Über das Internet hat man bequem Zugriff auf das gesammelte Wissen von über 500 Jahren Fechtkunst. „Ohne die Digitalisierung alter Schriften wäre die Wiederbelebung der alten Fechtkünste überhaupt nicht möglich,“ erklärt Pieraccini. „Lehrgänge wie dieser in Tschechien dienen auch dazu, die eigenen Interpretationen mit anderen Fechtern abzugleichen, Erfahrungen auszutauschen und zu diskutieren.“

Zdikov 2013

Im Gegensatz zum Sportfechten steht beim historischen Fechten der Duellcharakter noch im Vordergrund. Es wird gefochten, als wären die Waffen scharf: „Treffen ohne getroffen zu werden“. Fechten wird noch als „Fechtkunst“ betrieben: Die äußere Form, der Stil und die Techniken spielen neben Etikette, Fairness, kurz „Ritterlichkeit“, eine große Rolle. Der Weg zum Treffer ist ebenso wichtig wie der Treffer selbst.

Die Häfler Fechtkünstler haben ihre Bewährungsprobe mit Bravour bestanden. „Faszinierend, welch komplexes Klingenspiel unsere Fechter bereits beherrschen“, freut sich Pieraccini. „Hätten wir die Duelle allerdings mit scharfen Waffen ausgetragen, wären wir wohl nicht mehr vollzählig an den Bodensee zurückgekehrt,“ fügt er schmunzelnd hinzu. Die Erfahrung, mit den versierteren Fechtern aus Passau mithalten zu können, sei aber Ansporn für die weitere Arbeit mit dieser anspruchsvollen Fechtwaffe. Zdikov 2013 Im Juni werden die Häfler den „Tag der Klassischen Fechtkunst“ in Passau besuchen. Und im nächsten Frühjahr wollen alle wieder dabei sein beim nächsten Lehrgang im Böhmerwald.

Die Fechtabteilung des VfB Friedrichshafen bietet für alle, die sich auf Zeitreise begeben und ein wenig Mantel-und-Degen-Luft schnuppern wollen, regelmäßig Kurse an.

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