Französischer Duelldegen von 1780

Aus Zdikov habe ich einen neuen Degen mitgebracht. Er stammt – wie alle unsere Degen – aus Siegfried Raczkas Degenschmiede. Und wie bei unserem Standarddegen auch, ist Siegfried im Besitz des Originals.

Französischer Duelldegen von 1780

Französischer Duelldegen von 1780

Es handelt sich um einen französischen Duelldegen von ca. 1780. Er hat keinen Quartbügel, dafür aber eine ausgeprägte Parierstange mit überstehenden Enden. Das Ricasso ist längs geriffelt und sehr kurz. Die Fingerbügel sind dadurch sehr schmal. Der Griff ist insgesamt kürzer als bei unserem Standarddegen. Das Stichblatt ist aufwändig verziert.

Durch den kurzen Griff liegt die Hand näher am Stichblatt, und damit am Schwerpunkt, der etwa eine Fingerbreite vom Stichblatt entfernt in der Klingenstärke liegt. Der Knauf steht nicht so weit aus der Faust heraus. Der Degen fühlt sich sofort so leicht und wendig an, dass ich zuerst fälschlich den Eindruck hatte, er wäre mit einer kürzeren Klinge ausgerüstet. Tatsächlich hat die Klinge aber die Standardlänge von 90 cm.

Die Quillons, die Enden der Parierstange, machen sich bei Stößen fort au foible bemerkbar. Gefühlt läuft der Degen wie auf Schienen entlang der gegnerischen Klinge. In Quart etwas ausgeprägter als bei unserem Standarddegen, wo wegen des Quartbügels praktisch kein überstehendes Ende der Parierstange vorhanden ist. Bei Übertragungen aus Quart nach Oktav und bei der Flanconnade muss man etwas auf seine Mensur achten, um sich nicht mit der Parierstange zu verheddern.

Was uns in Zdikov sofort aufgefallen ist: Der Degen hat einen sehr schönen „Sound“! Klingenschläge, Froissements und Gleitstöße klingen wie aus einem Hollywood-Tonstudio! Allerdings nur ohne Kunststoffstopfen an der Spitze. Der dämpft den Sound leider etwas.

Insgesamt ein sehr schön gearbeiteter Degen, der sich gut fechten lässt.

Der neue Degen, zweiter von vorn.

Der neue Degen, zweiter von vorn.

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